Ländlicher Raum

Stadt, Land, Volk? Rechtsextremismus im ländlichen Raum

 

Besonders in strukturschwachen Regionen im ländlichen Raum greift rechte Agitation. Dort, wo sich Parteien und zivilgesellschaftliche Akteur_innen zurückgezogen haben, eine hohe Arbeitslosigkeit herrscht, die Bevölkerung vergleichsweise homogen ist und durch den Wegzug junger Menschen zusehends überaltert, kann die rechtsextreme Ideologie an die verschiedenen Formen von Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit anknüpfen. Daher versuchen Rechtsextreme sich mit gezielten Immobilienkäufen in den Kommunen niederzulassen und strategisch Räume zu ergreifen, um die Dorfstruktur langfristig in ihrem Sinn zu beeinflussen. Hier soll ihr Traum von der deutschen „Volksgemeinschaft“ in die Realität umgesetzt werden.

 

Was ist völkischer Rechtsextremismus?

 

Vor allem die völkische Spielart des Rechtsextremismus ist im ländlichen Raum anzutreffen. Deutschlandweit agieren völkische Verlage und Organisationen. Auch Zeltlager völkischer Gruppierungen, bei denen Kinder mit rechtsextremer Propaganda indoktriniert und militärisch gedrillt werden, finden im ganzen Bundesgebiet statt. Neben den vielen alteingesessenen völkischen "Sippen" sind im Osten Deutschlands "neovölkische" Siedlungsbestrebungen besonders attraktiv. Mittlerweile knüpfen sich rechte Welterklärungsmuster zunehmend auch an ökologisch-alternative und esoterische Milieus an, wie sich beispielsweise in der Anastasía-Bewegung bemerken lässt.

 

Völkische Akteur_innen geben sich meist nicht offen als Rechtsextreme zu erkennen. Erst ein Blick auf die Tradition, in die sich die Szene stellt und die Ideologie, die sie vertritt, verdeutlichen die Gefahr, die von ihnen ausgeht. Die völkische Ideologie konstruiert ein deutsches Volk, welches durch ethnisch-rassistische Kriterien definiert wird. Teil des deutschen Volkes ist dabei längst nicht jede_r, die oder der die deutsche Staatsangehörigkeit besitzt oder Teil der deutschen Gesellschaft ist.

 

Geschlechterbilder im völkischen Rechtsextremismus

 

Das oberste Ziel der völkischen Ideologie ist der Erhalt der vorgestellten "Volksgemeinschaft". In der Weltsicht völkischer Akteur_innen besteht die Hauptaufgabe der Frauen daher in der Rolle als sorgende Mutter, die möglichst viele Kinder gebärt und im rechtsextremen Sinne zur kommenden Elite der Szene erzieht. Diese starren Geschlechterrollen beschneiden in besonderem Maße die Entfaltungsmöglichkeiten von Mädchen. Der eher passiv gedachten Position stehen jedoch auch einige Frauen innerhalb der Szene entgegen, die führende Posten bekleiden.

 

Mit Rechtsextremismus im ländlichen Raum sind, neben den direkten Nachbar_innen, oft vor allem ökologische Vereine, Waldorf-Schulen oder Landwirtschaftsverbände konfrontiert. Sie können sich für Fragen zum Thema, Beratung im Umgang mit Rechtsextremismus und weitere Informationen an die Amadeu Antonio Stiftung wenden.

 

Unsere Publikationen zu völkischem Rechtsextremismus im ländlichen Raum finden Sie hier:

 

Völkische Siedler_innen im ländlichen Raum. Basiswissen und Handlungsstrategien

http://www.laendlicher-raum.info/w/files/laendlicherraum/materialien/voelkische_siedler.pdf (PDF-Dokument)

 

„Die letzten von gestern, die ersten von morgen“? Völkischer Rechtsextremismus im ländlichen Raum

http://www.laendlicher-raum.info/w/files/laendlicherraum/materialien/voelkischer-rechtsextremismus-in-niedersachsen.pdf (PDF-Dokument)

 

Kontakt:

Marius Hellwig

Referent für völkischen Rechtsextremismus

Im ländlichen Raum

Novalisstr. 12

10115 Berlin

Tel.: 030 240 886 14

Mail: marius.hellwig@amadeu-antonio-stiftung.de