Biologismus

Mit dem Begriff Biologismus wird eine Denkweise beschrieben, die die Unterschiede zwischen Menschen als „natürlich“ – also von der Natur und der Biologie vorgegeben – darstellt. Damit verbunden ist die Vorstellung, dass diese Unterschiede richtig und unveränderbar sind („Das liegt eben in unserer Natur!“). Um diese Ansicht, mit der sozio-kulturelle Verhältnisse aus dem Blick geraten, zu beschreiben, wird der Begriff Biologismus verwendet. Wenn beispielsweise auf den Internetseiten von Lola für Ludwigslust von „biologistischen Zuschreibungen von Männer- und Frauenrollen“ die Rede ist, soll deutlich gemacht werden, dass die Geschlechterrollen (gender) von Frauen und Männern nicht (z.B. genetisch) vorgegeben und eindeutig aufgeteilt sind. Geschlechterrollen sind abhängig von sozialen und gesellschaftlichen Verhältnissen und damit wandelbar. Von einer „natürlichen Geschlechterordnung“ zu sprechen ist biologistisch, weil es einen gesellschaftlichen Status-Quo erhalten will, in dem Männer und Frauen nur nach ihren körperlichen Geschlechtsmerkmalen eingeordnet und damit auch in ihren Entfaltungsmöglichkeiten eingeschränkt werden. Biologistische Vorstellungen, die Personen qua z.B. Geschlecht oder Herkunft Eigenschaften und Verhalten zuschreiben, sind in unserer Gesellschaft sehr verbreitet. „Bei genauerer Betrachtung zeigen sich inhaltliche Überschneidungen und Anschlussstellen zwischen diesen [Bildern] der gesellschaftlichen Mitte und denen der extremen Rechten.“ Lola für Ludwigslust versteht deshalb die kritische Auseinandersetzung mit biologistischen Zuschreibungen auch als einen Bestandteil der Rechtsextremismusprävention.

Siehe dazu auch: Radvan, Heike: Geschlechterreflektierende Rechtsextremismusprävention. Eine Leerstelle in Theorie und Praxis?, in: Amadeu Antonio Stiftung; Heike Radvan (Hg.): Gender und Rechtsextremismusprävention, Berlin 2013, S. 18f.