Geschlechterreflektierende Perspektive

Mit einer geschlechterreflektierenden Perspektive ist beispielsweise in der Rechtsextremismusprävention „eine Praxis gemeint, mit der die Zuschreibung stereotyper Geschlechterrollen wahrgenommen und diesbezügliches Handeln in Frage gestellt werden. In den Blick kommen so die strukturellen und individuellen Bedingungen, unter denen Geschlecht in sozialen [Verhältnissen] hergestellt wird.“ Dazu sollte ein Nachdenken über „Geschlechterbilder bei allen Beteiligten – weiblichen wie männlichen Jugendlichen, aber auch mit diesen Jugendlichen arbeitenden Pädagoginnen und Pädagogen sowie Multiplikatorinnen und Multiplikatoren“ stattfinden. Lösen sich etwa Pädagog/innen von eigenen festen Zuordnungen, „so können sie Handlungsoptionen im Alltag von Mädchen und Jungen erkennen und aufzeigen. Kinder und Jugendliche erhalten [in einem geschlechterreflektierenden Umgang] Freiräume, um individuelle Rollenvorstellungen und Orientierungen zu entwickeln und zu leben.“ Damit kann eine geschlechterreflektierende Perspektive auch als demokratiepädagogische Herangehensweise bezeichnet werden, „in deren Zentrum Chancengleichheit, freie Entfaltung der Persönlichkeit und menschenrechtsorientierte Positionen stehen.“ Vielfalt und Individualität als zentrale Bestandteile von Demokratiepädagogik bilden das genaue Gegenteil zu rechtsextremen und sind daher wichtige Aspekte in der Rechtsextremismusprävention.

Alle Zitate aus: Radvan, Heike: Geschlechterreflektierende Rechtsextremismusprävention. Eine Leerstelle in Theorie und Praxis?, in: Amadeu Antonio Stiftung; Heike Radvan (Hg.): Gender und Rechtsextremismusprävention, Berlin 2013, S. 30f.