Rechtsextremismus/extreme Rechte/Neonazismus

Rechtsextremismus dient im Allgemeinen „als Sammelbegriff für verschiedene politisch rechts gerichtete Einstellungen und Erscheinungsformen. Er bezeichnet das Spektrum des gewalttätigen Neonazismus ebenso wie der sich bürgerlich gebenden Neuen Rechten. Im modernen Rechtsextremismus werden Menschenrechte außer Kraft gesetzt, demokratische Strukturen und Grundrechte als Feindbild gesehen, letztlich gilt die Abschaffung der Demokratie und des Verfassungsstaates als Ziel rechtsextremen Handelns.“
Der Begriff Rechtsextremismus ist jedoch umstritten, denn er macht den Eindruck, das Problem mit den Neonazis sei, dass sie politisch „zu sehr“ in eine Richtung (die rechte) außerhalb der Mitte denken. „Extrem“ heißt laut Duden: „bis an die äußerste Grenze gehend.“ Das politische Bild der Gesellschaft ist demnach: Es gibt eine gute Mitte und die Probleme entstehen an den Grenzen. Aber dieses Bild ist irreführend. Denn Neonazis vertreten Meinungen, die nicht nur an den Rändern der Gesellschaft zu finden sind, wie zum Beispiel die Idee, eine Person könnte nicht gleichzeitig jüdisch oder muslimisch und deutsch sein, oder eine Schwarze sei keine echte Deutsche. Auch die Anschlussfähigkeit rechtsextremer Geschlechterbilder an Rollenmodelle in der „Mitte“ der Gesellschaft zeigt dies anschaulich. Es gibt also viele Einstellungen, die von Neonazis vertreten werden, aber auch allgemein in der Gesellschaft zu finden sind. Allgemein in der Gesellschaft heißt: überall, in der Schule, in Vereinen, religiösen Einrichtungen oder Familien. Aus diesem Grund wird auf der Webseite von Lola für Ludwigslust nicht nur der Begriff Rechtsextremismus verwendet, wenn wir von rechten Männern und Frauen sprechen, sondern auch die Bezeichnung „extreme Rechte“, da sie eine größere Bandbreite rechter Einstellungen und Gruppen beschreibt.

Zitat aus: Radvan, Heike: Geschlechterreflektierende Rechtsextremismusprävention. Eine Leerstelle in Theorie und Praxis?, in: Amadeu Antonio Stiftung; Heike Radvan (Hg.): Gender und Rechtsextremismusprävention, Berlin 2013, S. 12.

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